Greifenhain

Greifenhain wurde erstmals 1172 erwähnt...

Das Gebiet von Greifenhain, Frohburg und die nähere Umgebung wird zunächst von den Hermunduren, einer germanischen Stammesgruppe, bewohnt.
In der ersten Hälfte des 6.Jahrhunderts erfolgt das friedliche Einsiedeln der Sorben (slawischer Volksstamm).
Im 11.Jahrhundert gehört die Gegend von Greifenhain zum Bistum Naumburg.

Wie Greifenhain zu zwei Kirchtürmen kam . . .

Dem Herrn von Eschefeld gefiel nichts besser als das Würfelspiel. Auch Ritter Kunz von Greifenhain war diesem Spiel hold. So manche Nacht saßen sie am Würfelbrett und sahen und hörten nicht, was um sie herum geschah.
Eines Nachts während der Ernte spielten sie wieder mit der gewohnten Emsigkeit. Da zog ein schweres Gewitter auf. Der Donner krachte, die Blitze durchschnitten die Nacht, doch die beiden Spieler merkten nichts davon.
Plötzlich stürzte ein Knecht in die Stube.
"Edle Herren, bei uns und auch in Greifenhain, bei uns und auch in Greifenhain brennt der Kirchturm lichterloh. Der Blitz schlug in beiden Türmen ein."
"Hm" brummte der Eschefelder Herr, "lasst brennen, wenn's nun einmal brennt" und vertiefte sich weiter in das Spiel.
Doch der Greifenhainer war etwas ängstlicher. Er griff zu seinem Barett und wollte nach dem Feuer sehen. Doch der andere hielt ihn zurück.
"Was schert uns das? Lasst es brennen. Ihr könnt es nicht löschen. Kommt, noch ein einziges Spiel. Mein Vorschlag dazu: Ihr setzt den Turm von Greifenhain, und ich den Turm von Eschefeld, ich meine das Geld zum Kirchturmbau. Wer nun gewinnt, der baut sich dann zwei Türme, und der andere darf nie wieder einen bauen."

Der Greifenhainer wollte erst nicht so richtig dran, doch schließlich ließ er sich überreden. Das Spiel ging weiter. Der Eschefelder warf eine Elf.
"Nun hilft Euch nur noch eine Zwölf, oder Eure Kirche bekommt nie wieder einen Turm."
Der Greifenhainer nahm darauf ängstlich die beiden Würfel und sagte: "Ha, sechs und sechs sind zwölf! Ich muss ein Sonntagskind sein. Gebt her das Geld zum Bau!"
Der andere grollte: "Heute triffts mich hart, doch das Geld zum Turm werdet Ihr empfangen. Nur würfeln werde ich nicht mehr mit Euch."
So ward das Würfeln ausgesetzt, doch die Freundschaft blieb erhalten.
Als nach zwei Jahren die beiden Türme der Greifenhainer Kirche fertig waren, zahlte der Eschefelder ohne Murren das verlangte Geld.
So ist seit alten Zeiten in Eschefeld kein Kirchturm und es darf, so man der Sage trauen kann, dort auch keiner werden. In Greifenhain hingegen stehen zwei. Sie ragen weit in den Himmel.

Aus Sachsentelegraph Nr.19 vom November 1990

Geschichte

1172 Greifenhain wird erstmalig urkundlich erwähnt. Kaiser Friedrich I., Barbarossa, stiftet im gleichen Jahr das Kloster St. Maria am Berge von Altenburg, dessen Kirchtürme noch heute vorhanden und im Volksmund unter dem Namen "Rote Spitzen" bekannt sind. Ein Albert von Greiffenhay unterschreibt als Zeuge die Urkunde.
1215 In einer Urkunde des Markgrafen Dietrich von Meißen ist ein Heinrich von Greiffenhayn mit aufgeführt.
1608 Blasius Pfefferkorn, Leineweber aus Frohburg, wird als erster Schulmeister und Küster in Greifenhain erwähnt.
1639 Drangsale und Entvölkerung sind die Auswirkungen des Krieges.
1750 Die meisten Güter auf der "Großseite" und 2 Güter auf der "Kleinseite" brennen ab
1756 14 Güter und 3 Häuser der "Kleinseite" werden durch einen Brand vernichtet.
1756-1763 Während des Siebenjährigen Krieges marschieren Truppen durch das Dorf. Die kaiserlichen Husaren schlagen hier das Winterquartier auf.
1770/71 Durch Missernten herrschen furchtbare Not und Teuerung.
1770-1800 Da die Kinder viele Pflichten im Haus und auf dem Feld verrichten müssen, ist der Schulbesuch sehr mangelhaft. Bei einer Kontrolle 1773 wird festgestellt, dass nur 17 von über 100 Schulpflichtigen anwesend sind.
1790 An einem Aufstand gegen den Druck der Gutsherren sind Bürger aus Frohburg, Greifenhain, Prießnitz und Trebishain beteiligt. Der Greifenhainer Bauer Christian August Werner führt sie an.
Nach der Niederschlagung des Aufstandes treffen die Beteiligten harte Strafen.
1809 Die sächsische Armee unter Bernadotte zieht durch das Dorf.
1848 Vor dem Grundstück der Familie Harry Vogel soll nach Zeugenaussagen der Stellplatz der Kommunarden in der 48er Revolution gewesen sein.
1897 Sangeslustige Greifenhainer gründen den Männerchor.
1919 Rittergutspächter war August Wettberg. Er hat auf dem "Rittergut Frohburg" eine "Volksküche" unterhalten hat, um die Not der Bevölkerung nach dem 1. Weltkrieg zu lindern. Die Eigentümer des Rittergutes Frohburg war die Familie von Krug von Nidda und von Falkenstein, die im Rahmen der Wiedervereinigung ein zweites mal enteignet wurde. Von denen hatte August Wettberg das Rittergut Frohburg gepachtet bis er 1928 starb.
1920 Kapp-Putsch: Arbeiter aus Frohburg und Greifenhain entwaffnen eine Gruppe von Bauern aus Greifenhain.
64 Gewehre werden sichergestellt
1923 43 Kriegsgefangene müssen im Ort arbeiten.
1995 Freiwillige Eingliederung der Gemeinde in die Stadt Frohburg.

Grüß Dich mein Greifenhain - Heimatlied

Gruß dir, mein Greifenhain, Heimatort,
von dir mich zu trennen immerfort,
halte ich nicht aus. Das fällt mir so schwer.
Ich grüße dich, Heimat, ich liebe dich sehr.
Hunderte Hände sind immer bedacht,
sich rührend emsig bei Tag und Nacht.
Sie schaffen für alle das Leben so schön.
Gruß dir, mein Greifenhain, wie bist du schön!
Text und Melodie: Curt Rosch (1959)

Flurnamen geben Auskünfte über Greifenhain

So spiegeln sich hier der Alltag des Landwirts, seine Stellung im Dorf, seine Arbeitsweise und sein hartes Ringen um eine gute Ernte wider. Die Namen sagen uns weiterhin etwas über die Sagenwelt der Heimat, über landschaftliche Besonderheiten in und um den Ort. Sie führen uns also tief in die Geschichte, in jene Zeit, als diese Namen vergeben wurden.
Zum Beispiel:
In Greifenhain teilt ein lang gestrecktes Tal den Ort in zwei Seiten, die Groß- und die Kleinseite. Zu den Bauernhöfen der Großseite gehören Flurstücke mit guten Böden. Die der Kleinseite sind dagegen sehr viel magerer. Noch heute erkennt man an den Höfen, die an beiden Seiten des Tales gebaut wurden, wo der Reichtum zu Hause war.
In Greifenhain gibt es auch einen Baderberg. Vielleicht, so kann man es sich jedenfalls vorstellen, wohnte ganz in der Nähe ein Bader, der die Leute rasierte und frisierte und, wenn Not am Mann war, auch einfache chirurgische Eingriffe vornahm.
Erwähnenswert ist, dass selbst die sächsische Sprachweise keinen unbedeutenden Einfluss auf die Namensgebung hatte. So ist in Greifenhain eine Lehde bekannt, ein typisch sächsischer Begriff, der unbebautes Land oder Brache bedeutet, das von Vieh abgeweidet oder zur Heugewinnung gemäht wurde.
Auch die Geschichte spielt hier mit hinein. So gibt es hier die Pestlinde, die als Erinnerung an die Pesttoten des 30jährigen Krieges gepflanzt wurde.
Sicher gab es in früheren Zeiten in den Bächen der Umgebung auch Leben. Der Name Fischbach, nach dem heute eine Greifenhainer Straße benannt ist, zeigt ein Beispiel dafür.

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